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Wissenspool-Beitrag

Berufsgruppenbezogene Perspektiven auf Nachhaltigkeit in KMU: Maßnahmen, Potenziale und Hemmnisse

Analyse von berufsgruppenspezifischen Nachhaltigkeitspotenzialen zur Förderung der Nachhaltigkeitsentwicklungen in KMU
29.09.2025
Lesezeit: ca. 42 min
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Der nachfolgende Artikel präsentiert die Ergebnisse einer Onlinebefragung, in der untersucht wurde, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bereits umgesetzt werden und welche Potenziale Mitarbeitende verschiedener Berufsgruppen sehen. Dabei wurde erstens die Einstellung und zweitens der Umsetzungs- und Planungsstand analysiert.
Dieser Beitrag ist der dritte Teil einer Studienreihe des Zentrum Zukunft der Arbeitswelt seitens des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart und soll den bestehenden Wissenspool um aktuelle Themen erweitern.

Zusammenfassung

  • 225 Beschäftigte aus KMU in Deutschland (bundesweit rekrutiert) aus 9 häufigen Berufsfeldern füllten eine Onlinebefragung zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihrem Arbeitsumfeld aus.
  • Die positivste Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit zeigt sich in der Berufsgruppe „Einkauf und Vertrieb“. Diese Berufsgruppe hat die meisten Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus dem vorgelegten Maßnahmenkatalog bereits in die Praxis umgesetzt.
  • Von den insgesamt 29 untersuchten Nachhaltigkeitsmaßnahmen wurden innerhalb der Gesamtstichprobe insbesondere zwei Maßnahmen überdurchschnittlich häufig umgesetzt: Zum ersten die „Umstellung auf energieeffiziente Produkte und Technologien (z. B. LED-Beleuchtung)“ im Bereich des Energieverbrauchs, zum zweiten die „saubere Abfalltrennung“ aus dem Bereich Abfallmanagement.
  • Die 3 am häufigsten genannten Hemmnisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen beziehen sich auf den „Mangel an finanziellen Ressourcen“, „mangelnde Finanzmittel für umweltbezogene Projekte“ sowie „Mangel an staatlichen Anreizpolitiken; Subventionen/ Steuern“.
  • Die höchste Wirkung in den drei kombinierten Dimensionen von Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch, sozial) erzielen die Maßnahmen „Carsharing“ und „Abwärmenutzung“. Diese könnten als besonders zukunftsweisend für eine nachhaltige Entwicklung gelten.

Einleitung

Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen mit über 99 Prozent die Mehrheit aller Unternehmen in Deutschland aus (Rudnicka, 2025). KMU sind somit wichtige Einsatzgebiete, um in Deutschland Nachhaltigkeit in der Breite zu implementieren. KMU setzen bereits eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen um, welche für ihre Nachhaltigkeitsleistung relevant sind und positiv wirken. Durch die zunehmenden gesetzlichen Anforderungen auf EU- und Bundesebene steigt die Bedeutung eines systematischen Nachhaltigkeitsmanagements für KMU. (Industrie- und Handelskammer Schlesweig-Holstein, o.J.) Um Nachhaltigkeitsmaßnahmen von KMU gezielt begleiten zu können, muss zunächst ein Bild der aktuellen Situation in KMU geschaffen werden.

Daher verfolgt diese Untersuchung das Ziel, ein möglichst praxisnahes Abbild über den aktuellen Umsetzungsstand von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in KMU sowie deren Potenziale zu gewinnen. Dafür wurden die neun häufigsten Berufsgruppen beziehungsweise Tätigkeitsfeldern, die deutschlandweit in KMU vertreten sind: „Verwaltung“, „Technische Produktionsplanung und -steuerung“, „Einkauf und Vertrieb“, „Kundenmanagement“, „Rechnungswesen, Controlling und Revision“, „Personalwesen“, „Lagerwirtschaft“, „Werbung und Marketing“, „Kraftfahrzeugtechnik oder Handwerk“ analysiert.

Für die Untersuchung wurden Mitarbeitende in leitenden Positionen befragt, wie etwa Team- oder Schichtleitungen, da diese das Potenzial bereits umgesetzter oder geplanter Maßnahmen fundiert einschätzen können und einen engen Bezug zu den genannten Berufsgruppen haben. Außerdem wurde eine berufsgruppenbezogene Betrachtung hinsichtlich der Einstellungen zu Nachhaltigkeit, der wahrgenommenen Relevanz der Thematik im Unternehmen/Berufsgruppe sowie der Ambition zur Umsetzung von Maßnahmen vorgenommen. Durch diese Perspektive sollen praxisrelevante Ansatzpunkte identifiziert werden, die es ermöglichen, Nachhaltigkeitsstrategien gezielter und wirksamer auf unterschiedliche Berufsgruppen zuzuschneiden.

Zielstellung der Befragung

Um die bereits genannten Wissenslücken zu schließen, wurden besonders relevante Berufsgruppen aus
KMU in Deutschland definiert und im Rahmen einer Onlinebefragung dabei die folgenden Fragestellungen adressiert:

Methodik

Zielgruppe

Die Onlinebefragung richtete sich analog zur Zielgruppe der regionalen Zukunftszentren in Deutschland an Arbeitnehmende aus Berufsgruppen von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Als Kleinstunternehmen wurden hierbei Unternehmen mit 2-9 Mitarbeitenden definiert, als „klein“ galten Unternehmen mit 10-49 tätigen Personen und als „mittlere“ Unternehmen solche mit 50-249 tätigen Personen.

Für die Studie sollten neun für KMU besonders repräsentative Berufsgruppen ausgewählt werden, dies geschah auf Basis der Klassifikation der Bundesagentur für Arbeit (Bundesagentur für Arbeit, Statistik / Arbeitsmarktberichterstattung, 2020). Die Befragung richtet sich gezielt an Mitarbeitende in leitenden Positionen, wie etwa Team- oder Schichtleitungen, da diese einerseits das Potenzial bereits umgesetzter oder geplanter Maßnahmen fundiert einschätzen können und andererseits einen engen Bezug zu ihrer jeweiligen Berufsgruppe haben.

Umsetzung der Onlinebefragung

Die Studie wurde als Onlinebefragung mit einer Bearbeitungsdauer von ca. 20 Minuten umgesetzt. Neben soziodemografischen Daten wurde die persönliche Einstellung sowie die Relevanz von Nachhaltigkeit in der Berufsgruppe erfasst. Diesbezügliche Fragebogeninhalte sind detaillierter in Tabelle 1 dargestellt. Zudem wurden Hemmnisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen ermittelt. Hierbei wurden literaturbasiert 17 potenzielle Hemmnisse identifiziert und mit einer 11-stufigen Skala von 0 – „kein Hemmnis“ bis 10 – „sehr großes Hemmnis“ bewertet. Die im Fragebogen geprüften potenziellen Hemmnisse sind in Tabelle 1 aufgelistet.

Tabelle 1: Fragebogenaufbau zu soziodemografischen Daten sowie Einstellung und Relevanz

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Tabelle 2: Zur Bewertung vorgelegte Hemmnisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen (in Anlehnung an Alayón et al., 2022)

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Zur Ermittlung der Maßnahmen mit großem Potenzial wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt. Dieser enthielt 29 Nachhaltigkeitsmaßnahmen, welche den Bereichen Energieverbrauch, Materialnutzung, Wasserverbrauch, Abwasser- und Abfallmanagement, Einkauf, Emissionen, Einsatz von Chemikalien, Ökologische Auswirkungen der erzeugten Produkte, Transport und Mobilität, Umweltmanagement/ Zertifizierungen sowie Mitarbeitenden zuzuordnen sind.

Jedem Teilnehmenden wurden – ungeachtet ihrer bzw. seiner Berufsgruppe – alle Maßnahmen zur Bewertung vorgelegt. Zu Beginn wurde evaluiert, ob die jeweilige Maßnahme in der Berufsgruppe bereits umgesetzt wurde oder in Planung war. Bei Bejahung wurden die Teilnehmenden gebeten, die Maßnahme im Detail zu bewerten. Im ersten Schritt sollte der ökologische, ökonomische und soziale Vorteil, den die Maßnahme mit sich bringt, bewertet werden. Im zweiten Schritt sollten bestimmte Teilaspekte der Vorteile (ökologisch, ökonomisch und sozial) bewertet werden. In Tabelle 3 sind die Maßnahmen, welche den Teilnehmenden zur Bewertung vorgelegt wurden, dargestellt. In Abbildung 1 und 2 ist das dazugehörige Bewertungsschema abgebildet.

Tabelle 3: Darstellung der vorgelegten Maßnahmen nach Bereichen (in Anlehnung an Fust et al., 2022; Giesenbauer & Müller-Christ, 2018; Mahler et al., 2021; Ruppert-Winkel et al., 2017)

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Abbildung 1: Darstellung der drei Vorteilsdimensionen zur Ermittlung des Potenzials der Maßnahmen
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Abbildung 2: Darstellung der drei Teilaspekte zur Ermittlung des Potenzials der Maßnahmen (in Anlehnung an Europäische Kommission, o.J.)

Weiterhin wurden die Teilnehmenden befragt, ob sie Nachhaltigkeitsmaßnahmen als zusätzliche Belastung empfänden. Bei Bejahung wurde erfragt, welche Veränderungen erforderlich wären, damit solche Maßnahmen eher als Chance wahrgenommen werden. Aufbauend darauf wurde konkret nach dem Wunsch nach staatlicher oder institutioneller Unterstützung gefragt. Ergänzend wurden die bevorzugten Beratungskanäle sowie die thematischen Bereiche ermittelt, in denen ein Unterstützungsbedarf besteht.

Ergebnisse

Stichprobe

Insgesamt nahmen 225 Personen an der Befragung teil. Darunter identifizierten sich 74 als weiblich und
151 als männlich, während niemand die Geschlechtsidentität „divers“ angab. Das Durchschnittsalter der
Teilnehmenden lag bei 47,36 Jahren. Die Befragung umfasste alle Bundesländer. Mit 45 Teilnehmenden
war Nordrhein-Westfalen am stärksten vertreten, während Bremen mit 1 Person den geringsten Beitrag
stellte. Hinsichtlich der Betriebsgrößenklasse arbeiteten 46 Personen in Kleinstunternehmen, 79 in kleinen Unternehmen und 100 in mittleren Unternehmen. Die Berufsgruppe mit den meisten Teilnehmenden war
die Gruppe „Verwaltung“, die von 54 Personen repräsentiert wurde. Am wenigsten vertreten war „Kraftfahrzeugtechnik und Handwerk“, der 6 Personen angehörten. Die untenstehende Abbildung 3 zeigt die Verteilung der Teilnehmenden auf die Berufsgruppen in Abhängigkeit der Unternehmensgröße.

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Abbildung 3: Anzahl der Beschäftigten pro Berufsgruppe in Abhängigkeit der Unternehmensgröße, absolute Zahlen

Stimmungsbild: Einstellung und Relevanz gegenüber Nachhaltigkeit 

Im Rahmen der Befragung wurde zunächst erfasst, ob die Teilnehmenden der Meinung waren, dass in
ihrem Unternehmen mehr oder weniger Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt werden sollen. Hierbei
zeigte sich, dass die Berufsgruppe „Rechnungswesen, Controlling und Revision“, mit einem Mittelwert von
M=1,42 den größten Wunsch nach einer vermehrten Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen äußerte. Der geringste Wunsch zeigte sich in der Berufsgruppe „Kraftfahrzeugtechnik und Handwerk“ mit einem Mittelwert von M= 0,33.
Die Relevanz der Thematik Nachhaltigkeit bezogen auf die eigene Berufsgruppe wurde in Berufsgruppe
„Rechnungswesen, Controlling und Revision“ mit einem Mittelwert von M=0,29 am geringsten bewertet.
Als am relevantesten wurde das Thema Nachhaltigkeit von der Berufsgruppe „Lagerwirtschaft“ angesehen
(M=1,33). Zudem wurde erhoben, wie die Teilnehmenden dem Thema Nachhaltigkeit insgesamt gegenüberstanden. Die positivste Einstellung zeigte sich in der Berufsgruppe „Einkauf und Vertrieb“ mit einem Mittelwert von M=1,85. Die negativste Einstellung in der Berufsgruppe „Werbung und Marketing“ (M=0,90). In Abbildung 4 sind die Mittelwerte mit den zugehörigen Fragen und Ankerpaaren je Berufsgruppe dargestellt.

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Abbildung 4: Darstellung Einstellung und Relevanz von Nachhaltigkeit je Berufsgruppe (Differentialpaare -3 bis +3, verbale Anker in der Abbildung)

Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Im Folgenden ist dargestellt, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen bereits umgesetzt wurden oder geplant waren (Abbildung 5). Betrachtet wird im ersten Schritt die Gesamtstichprobe.

Am häufigsten umgesetzt oder geplant wurden insbesondere zwei Maßnahmen: Die Maßnahme „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“, welche in allen Berufsgruppen von mindestens Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen 40 % der Teilnehmenden umgesetzt wurde und die Maßnahme „Saubere Abfalltrennung“, welche in allen Berufsgruppen von mindestens 50 % realisiert wurde. Am wenigsten umgesetzt oder geplant wurde die Maßnahme „Carsharing“, welche in allen Berufsgruppen von maximal 16 % realisiert sowie die Maßnahme „Abwärmenutzung“, welche in allen Berufsgruppen von maximal 13 % umgesetzt wurde. In Abbildung 5 sind N=150 Bewertungen dargestellt, da Teilnehmende, welche direkt zu Beginn angaben, gar keine Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihrer Berufsgruppe umgesetzt zu haben, direkt zum Ende der Befragung weitergeleitet wurden.

Umsetzungsstand Nachhaltigkeitsmaßnahmen Gesamtstichprobe (N=150)

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Abbildung 5: Darstellung des Umsetzungsstandes der analysierten Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Im Folgenden wird der Umsetzungsstand der Nachhaltigkeitsmaßnahmen pro Berufsgruppe betrachtet. Vorgestellt werden die Maßnahmen, die im obersten Perzentil der Bewertungen liegen, demnach zu den obersten 10 % der am höchsten bewerteten Maßnahmen zählen.

Berufsgruppe Verwaltung (N=34): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Saubere Abfalltrennung“ (53%) und „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (50 %).

Berufsgruppe Personalwesen (N=11): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Saubere Abfalltrennung“ (64%), „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (64 %) und „Reduktion des Materialverbrauchs“ (64 %).

Berufsgruppe Rechnungswesen, Controlling und Revision (N=15): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (73 %) und „Saubere Abfalltrennung“ (67 %).

 Berufsgruppe Einkauf und Vertrieb (N=21): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (76 %) und „Saubere Abfalltrennung“ (76 %).

Berufsgruppe Werbung und Marketing (N=6): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (67 %), Saubere Abfalltrennung (50 %), „Reduktion des Materialverbrauchs“ (50 %), „Verwendung von recycelbaren Materialien“ (50 %), „Abfallhierarchie beachten“ (50 %), „Nutzung von Fahrrädern fördern (Job Bike)“ (50 %) sowie „Mobiles Arbeiten anbieten“ (50 %).

 Berufsgruppe Berufe im Kundenmanagement (N=17): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (71 %) und „Saubere Abfalltrennung“ (59%).

Berufsgruppe Technische Produktionsplanung und -steuerung (N=31): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (71 %) und „Saubere Abfalltrennung“ (71 %).

Berufsgruppe Berufe in der Lagerwirtschaft (N=10): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Saubere Abfalltrennung“ (50%) und „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (40 %).

Berufsgruppe Berufe in der Kfz-Technik oder Handwerk (N=5): Am häufigsten umgesetzt wurden die Maßnahmen „Saubere Abfalltrennung“ (60%), „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z.B. LEDs)“ (40 %), „Maschinenauslastung optimieren“ (40 %) und „Reduktion des Wasserverbrauchs“ (40 %).

Im Folgenden werden die Nachhaltigkeitsmaßnahmen mit dem größten Potenzial vorgestellt. Abbildung 6 zeigt, welche Maßnahmen als besonders vorteilhaft eingeschätzt wurden, sowohl im Hinblick auf die Bewertung der allgemeinen Vorteile (ökologisch, ökonomisch, sozial) als auch bezogen auf spezifische Teilaspekte innerhalb der drei Bewertungsdimensionen.

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Abbildung 6: Darstellung der Maßnahmen mit dem höchsten Potenzial

Hinsichtlich des allgemeinen Vorteils wurden folgende Maßnahmen am höchsten bewertet. Höchste Bewertung des allgemeinen Vorteils (0 – „Kein Vorteil“ bis 6 – „großer Vorteil“): 

  • Ökologisch: Maßnahmen „Grundwasserschutz“ und „Reduktion des Wasserverbrauchs“ 
  • Ökologisch & ökonomisch: Maßnahmen „Bezug oder Erzeugung von erneuerbaren Energien“ und „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien“ 
  • Ökologisch & sozial: Maßnahme „Job-Bike“ 
  • Ökonomisch & sozial: Maßnahmen „Carsharing“ und „Abwärmenutzung“ 

Hinsichtlich der Teilaspekte der Vorteilsdimensionen wurden folgenden Maßnahmen am höchsten bewertet. Höchste Bewertung nach Teilaspekten der Vorteilsdimensionen (Ja/Nein): 

  • Ökologisch: Maßnahmen „ökologisches Verhalten regelmäßig schulen“ und „Verwendung von recyclebaren Materialien“, „Aktive Zusammenarbeit mit Umweltinitiativen“, „Wiederverwertung Abwasser“, „Partnerschaften zur Verwertung von Abfällen“ und „Abwärmenutzung“ 
  • Ökologisch & sozial: Maßnahmen „Bezuschussung des ÖPNV-Tickets“ und „Carsharing“ 
  • Sozial: Maßnahme „Verringerung von Lärmbelastung“

Wird die Überschneidung der höchsten Bewertungen des allgemeinen Vorteils und der Teilaspektbewertung betrachtet, so sind die folgenden Maßnahmen aufgrund ihrer Schnittmengen nach beiden Bewertungen besonders hervorzuheben. Höchste Bewertung allgemeiner Vorteil und Teilaspekt-Bewertung: 

  • Ökologisch & ökonomisch & sozial: Maßnahmen „Carsharing“ und „Abwärmenutzung“ 

Hemmnisse für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Um einen Einblick in potenzielle Gründe und damit verbundene Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu erhalten, zeigt Abbildung 7 die Bewertungen der einzelnen Hemmnisse durch die Gesamtstichprobe. Zu den am häufigsten genannten Hemmnissen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zählen ein „Mangel an finanziellen Ressourcen“ mit einem Mittelwert von M=5,72, „Mangel an Finanzmitteln für umweltbezogene Projekte“ mit einem Mittelwert von M=5,52 sowie „Mangel an staatlichen Anreizpolitiken“ mit einem Mittelwert von M=5,40.

Jedoch zeigt sich innerhalb der Hemmnisse ein eher homogenes Bild bezüglich der Höhe der Mittelwerte und einer großen Streuung innerhalb der Gesamtstichprobe. Die Bewertung der Hemmnisse spiegelt strukturelle Hürden wider, die einer erfolgreichen Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Weg stehen können. Die breite Streuung legt nahe, dass die Hemmnisse nicht in der Breite, sondern unternehmensspezifisch auftreten. Dies deutet darauf hin, dass es in der Nachhaltigkeitsberatung keine speziell für bestimmte Berufsgruppen ausgerichteten Vorgehensempfehlungen geben kann, sondern dass eine individualisierte, situationsspezifische Beratung erfolgen muss, wie dies beispielsweise bereits in den Zukunftszentren der Fall ist.

Mehrere Aussagen aus den Freitextfeldern verdeutlichen zusätzlich zentrale Hemmnisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Ein wiederkehrendes Thema ist das fehlende Interesse der Geschäftsführung, das unter anderem damit begründet wird, dass Kund:innen nicht bereit seien, für nachhaltigere Produkte mehr zu bezahlen, oder dass Mitbewerber, insbesondere aus dem Ausland, deutlich günstiger und nicht nachhaltig produzieren. Zusätzlich wurden politische Unsicherheiten genannt, etwa in Bezug auf die Verlässlichkeit gesetzlicher Rahmenbedingungen. Auch wurde kritisiert, dass die aktuelle Regierung es versäumt habe, die Bevölkerung beim Thema Nachhaltigkeit angemessen mitzunehmen.

Bewertung der Hemmnisse (N=225)

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Abbildung 7: Darstellung der Hemmnisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen (N=225)

Unterstützungsbedarfe

Die Frage, ob Nachhaltigkeitsmaßnahmen als zusätzliche Belastung empfunden werden, wurde von den Teilnehmenden verschiedener Berufsgruppen ähnlich beantwortet (Skala von 0 – keine Belastung bis 6 – große Belastung). Die höchste durchschnittliche Belastung (M=3,39) wurde dabei in der Berufsgruppe „Rechnungswesen, Controlling und Revision“ angegeben (siehe Abbildung 8).

Teilnehmende, die Nachhaltigkeit als große Belastung wahrnahmen, wurden anschließend gefragt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit Nachhaltigkeit eher als Chance gesehen werden kann. In den Freitextantworten wurden am häufigsten genannt:

  • Finanzielle Unterstützung und wirtschaftlicher Nutzen (14 Nennungen),
  • weniger Bürokratie und einfachere Umsetzung (10 Nennungen),
  • mehr Personal und Kapazitäten (6 Nennungen),
  • bessere Kommunikation, Sensibilisierung und Schulung (6 Nennungen),
  • klare politische Vorgaben (5 Nennungen),
  • Freiwilligkeit und Interesse der Geschäftsführung (4 Nennungen),
  • sowie realistische, branchenspezifische Lösungen (3 Nennungen).

Darüber hinaus äußerten 101 von 225 Teilnehmenden (44,9%) den Wunsch nach staatlicher oder institutioneller Unterstützung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihrem Unternehmen. Von den Personen mit Unterstützungsbedarf wünschten die meisten eine „Beratung vor Ort“ und zwar zu den Themen „Energieverbrauch“ und „Materialnutzung“.

Fazit

Die durchgeführte Onlinebefragung unter 225 Mitarbeitenden aus kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland aus neun häufig vertretenen Berufsgruppen hat wertvolle Erkenntnisse zum Thema Nachhaltigkeit in deutschen KMUs geliefert:

Die Onlinebefragung vermittelt ein aktuelles Bild bereits umgesetzter und geplanter Nachhaltigkeitsmaßnahmen in deutschen KMUs, differenziert nach besonders häufig vertretenen Berufsgruppen (siehe Fragestellung 1a und 1b).

75 Teilnehmende gaben an, dass in ihrer Berufsgruppe bislang keine Maßnahme umgesetzt wurde. Die übrigen 150 berichteten, dass bereits Maßnahmen umgesetzt oder geplant seien. Die Ergebnisse zu den Fragestellungen 1 und 2 beziehen sich daher auf die Angaben dieser 150 Personen, während die Antworten zu Fragestellung 3, die sich auf bestehende Hemmnisse und Unterstützungsbedarfe durch staatliche Stellen beziehen, von der gesamten Stichprobe gegeben wurden.          
Über alle Berufsgruppen hinweg wurden am häufigsten die Maßnahmen „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien (z. B. LEDs)” (je mind. 40 %) sowie „Saubere Abfalltrennung“ (mind. 50 %) umgesetzt oder waren in Planung. Am seltensten umgesetzt oder geplant wurden hingegen „Carsharing“ (max. 16 %) und „Abwärmenutzung“ (max. 13 %), unabhängig von der Berufsgruppe. Basierend auf Freitext-Antworten liegt die Vermutung nahe, dass die häufig umgesetzten Maßnahmen sich durch geringe Komplexität und schnelle finanzielle Amortisation ohne Preissteigerung auszeichnen. Zudem greifen sie Nachhaltigkeitspotenziale auf, die durch aktuelle Gesetzgebung bereits verlangt oder in naher Zukunft zu erwarten sind. Selten umgesetzte Maßnahmen hingegen weisen tendenziell eine höhere finanziell-technische oder organisatorische Komplexität auf.

Die Analyse zeigt weiterhin, dass die Berufsgruppen „Einkauf und Vertrieb“ und „Technische Produktionsplanung und -steuerung“ die meisten der vorgegebenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzten. Am wenigsten Nachhaltigkeitsmaßnahmen wurden in der Berufsgruppe Kraftfahrzeugtechnik und Handwerk umgesetzt.

Die umgesetzten und geplanten Nachhaltigkeitsmaßnahmen weisen aus Sicht der Befragten tendenziell einen mittleren bis eher großen Vorteil (Skala von 0 – „gar kein Vorteil“ bis 6 – „großer Vorteil“) in den drei Dimensionen von Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch und sozial) auf. KMU setzen Nachhaltigkeitsmaßnahmen also dann um, wenn sie diese als vorteilhaft ansehen.

In der ökologischen Dimension weisen insbesondere der „Grundwasserschutz“, die „Reduktion des Wasserverbrauchs“, „ökologisches Verhalten regelmäßig schulen“, die „Verwendung von recyclebaren Materialien“, die „Wiederverwertung von Abwasser“, die „aktive Zusammenarbeit mit Umweltinitiativen“ sowie „Partnerschaften zur Verwertung von Abfällen“ hohe Werte auf.  Hinzu kommen der Einsatz erneuerbarer Energien und energiesparender Produkte, die zugleich ökonomische Vorteile generieren. Das größte Potenzial innerhalb der sozial-ökologischen Dimension zeigen Maßnahmen wie das Job-Bike und die “Bezuschussung des ÖPNV-Tickets“. Besonders hervorzuheben sind die Maßnahmen „Carsharing“ und „Abwärmenutzung“, da sie sowohl nach der allgemeinen Vorteilsbewertung als auch nach Teilaspektbewertung hohe Bewertungen in allen drei Dimensionen erhielten.

Zusammenfassend zeigen sich unter den Nachhaltigkeitsmaßnahmen mit den größten Vorteilen nur wenige Maßnahmen, die hohe Werte in mindestens zwei Nachhaltigkeitsdimensionen aufweisen. Die am häufigsten umgesetzte oder geplante Maßnahme „Umstellung auf energiesparende Produkte/Technologien“ gehört zu den Maßnahmen, deren Vorteil sowohl ökologisch als auch ökonomisch am höchsten bewertet wurde. Dies lässt darauf hindeuten, dass ökologische Maßnahmen, die auch ökonomische Vorteile bieten für KMU attraktiv sind.

Die drei am häufigsten genannten Hemmnisse beziehen sich auf „Mangel an finanziellen Ressourcen“, „Mangelnde Finanzmittel für umweltbezogene Projekte“ sowie „Mangel an staatlichen Anreizpolitiken; Subventionen, Steuern“. Bezüglich der Bedeutung dieser Hemmnisse konnten keine Unterschiede zwischen den Berufsgruppen gefunden werden. Dies bedeutet, dass es im Beratungskontext keine speziell für bestimmte Berufsgruppen ausgerichteten Vorgehensempfehlungen gibt, sondern dass die Beratung wie beispielsweise in den Zukunftszentren individuell, d.h. an die Situation des KMU angepasst, erfolgen muss. Darüber hinaus sollte die Einbindung von externen Partnern in der Nachhaltigkeitstransformation in Betracht gezogen werden, um die Einführung von Maßnahmen zu steigern und eine langfristige Verankerung nachhaltiger Praktiken zu sichern. 44,9 % der Teilnehmenden wünschen sich Unterstützung, außerdem werden unternehmensinterne Faktoren als häufigstes Hemmnis im Freitextfeld genannt, hierzu zählen „fehlendes Interesse/Wille, mangelnde Kompetenzen, zu viel Aufwand, fehlende interne Ressourcen etc.“.

Die Ergebnisse dieser Onlinebefragung tragen dazu bei, deutschen KMU darin zu unterstützen, Nachhaltigkeitsmaßnahmen und deren Potenziale (ökologisch, ökonomisch, sozial) im eigenen Unternehmen zu identifizieren und die Umsetzung für besonders erfolgversprechende Maßnahmen in der eigenen Berufsgruppe voranzutreiben. Aus den Rückmeldungen zu den Unterstützungsbedarfen lässt sich ableiten, dass den genannten Hemmnissen, insbesondere dem wahrgenommenen Aufwand und der Belastung, vor allem durch finanzielle Unterstützung sowie durch das Aufzeigen konkreter ökonomischer Vorteile wirksam begegnet werden kann.

Zudem wurde deutlich, dass „Beratung vor Ort“ als bevorzugter Unterstützungsweg wahrgenommen wird. Inhaltlich bestehen dabei insbesondere Beratungsbedarfe in den Bereichen „Energieverbrauch“ und „Materialnutzung“.

Durch die berufsgruppenspezifische Analyse erhalten Mitarbeitende in kleinen und mittleren Unternehmen, die derselben Berufsgruppe angehören, nun eine klare Orientierung, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihrem Arbeitsumfeld realistisch und wirksam umsetzbar sind. Diese Transparenz kann die Eigeninitiative fördern, da Beschäftigte gezielt Maßnahmen anstoßen können, die zu ihrer Tätigkeit passen, und sich so stärker in den Prozess der nachhaltigen Transformation einbringen. Auf diese Weise entstehen Impulse nicht ausschließlich durch Vorgaben der Geschäftsführung, sondern auch aus der Motivation und dem Engagement der Belegschaft heraus.

Dieser Wissenspool-Beitrag „Berufsgruppenbezogene Perspektiven auf Nachhaltigkeit in KMU: Maßnahmen, Potenziale und Hemmnisse“ mit den Ergebnissen der durchgeführten Studie steht nun auch in Ausgabe 3 unserer Broschürenreihe „Zukunft Arbeitswelt“ zum Download zur Verfügung.

Literaturübersicht

Rudnicka, J. (2025, 19. Mai). Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. https://de.statista.com/themen/4137/kleine-und-mittlere-unternehmen-kmu-in-deutschland/#topicOverview

Ruppert-Winkel, C., Böhm, M., Brunn, Christoph, Funcke, Simon, Kress-Ludwig, M., Papke, K. & Scherf, C.‑S. (2017). Nachhaltiges Handeln in Unternehmen und Regionen: Ein Wegweiser für den Ausbau und die Kommunikation von sozialen und ökologischen Aktivitäten insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in ländlichen Regionen. Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE), Freiburg. https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Wegweiser-nachhaltiges-Handeln-KMU.pdf

Linn Braunmiller
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT)

Selina Layer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT)

Valeria Bopp-Bertenbreiter
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Valeria Bopp-Bertenbreiter

Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT)

Daniela Vial
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT)

Dr. Jan-Paul Leuteritz
Wissenschaftler

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO